Stammtisch Open Source & Open Design

Lars Zimmermann

Was ist Open Design und Open Source Hardware? Wie funktioniert das? Und welche Perspektiven und Möglichkeiten für eine nachhaltige Zukunft und die Entwicklung einer müllfreien Kreislaufwirtschaft stecken darin? Um diese Fragen drehte sich der Vortrag bei unserem Stammtisch am 14. April in der Thinkfarm Berlin.

Im Zuge der Veranstaltung hat uns SDC-Mitglied und Thinkfarmerin Carolin Oelsner eine  Führung durch unsere Gastgeberlokation, die Thinkfarm Berlin gegeben. Die Thinkfarm ist ein Co-Working-Space, entwickelt als Modell einer offenen Kultur des miteinander Arbeitens, Teilens und Lernens, wo nicht nur Designer und Medienschaffende einen fruchtbaren Nährboden für sinnstiftendes Gestalten finden, sondern auch Wissenschaftler und soziale StartUps. Auch das Thema Open Source spielt hier eine große Rolle bei der Gestaltung offener Prozesse.

Eingeleitet wurde der Abend mit einem Kurzfilm von Gestalterin Nelly Hempel, die sich im Rahmen ihrer Masterthesis an der Hochschule Anhalt die Frage gestellt hat, in welche Richtung sich die Profession des Designers entwickeln wird. Wie haben sich Gestaltungswerkzeuge von analog zu digital entwickelt und wie werden sie heute in unserer postmodernen Informationsgesellschaft von Designers interpretiert und genutzt? – Ein Dialog zwischen ausgewählten Personen gibt einen Überblick über die Thematik und lässt zukünftige Tendenzen in der Entwicklung der Profession erkennen. Nelly Hempel DIGALOG
Zum Film -> „Digalog – Gestaltung im Kontext des Informationszeitalters“

Im Anschluss hat uns Künstler, Open Source Ökonom und Culture Hacker Lars Zimmermann einen Einstieg in die Thematik Open Design und Open Source Hardware gegeben.
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Er ist der Gründer des OWi Projektes, Initiator des OPENiT Festivals und Mitgründer der Open it Agentur ist er seit einigen Jahren im Feld von Openness und Kreislaufwirtschaft aktiv.

Was nun ist Open Source genau?

Open Source Hardware ist Hardware dessen Design öffentlich zugänglich gemacht wird, so dass Jeder studieren, modifizieren, verbreiten, umsetzen und das Design oder die Hardware welches auf auf diesem Design basiert verkaufen kann. Definition von OSHWA (Open Source Hardware Association)

Idealerweise nutzt Open Source fertige Komponenten und Materialien, Standardprozesse, offene Infrastrukturen, unresttricted content und open spource Design tools, um die Möglichkeit der individuellen Nutzung und Herstellung zu maximieren.
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Gemeinsam haben wir einige Handlungs- und Experimentfelder anhand zahlreicher beeindruckender Beispiele abgesteckt.

Open Source Ecology Germany

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Arduino Microcontroller Community Arduino is an open-source electronics prototyping platform based on flexible, easy-to-use hardware and software. It’s intended for artists, designers, hobbyists and anyone interested in creating interactive objects or environments.

Protei Open Hardware Shape Shifting Sailing Robot to collect ocean data and transport cleanup equipment.
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Open Buoy: Der Designer Sebastian Müllauer entwickelt mit Open Buoy ein modulares, open source Wassergefährt, welche als eine frei zugängliche Experimentalplatform für Wissenschaftler und Künstler funktioniert.
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Ronen Kadushins hat unter anderem das Italic Shelf entwickelt.
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Sören, ein Open Source Bewässerungssystem
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N55 XYZ Spaceframe Vehicles
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RepRap – 3 D Printer.
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Open Structures: Der Berliner Designer Lukas Wegwerth entwickelt mit und für Open Structures – einem modularen Konstruktionsmodell wo jeder für jeden gestalten kann auf Basis eines gemeinsamen geometrischen Rasters – z.B. Ausstellungs-, Gerüst- & Barsysteme.
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Open Fashion: Galponia Upcycling – Taschen Design made in Berlin
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Open PCR OpenPCR is a low-cost, yet accurate thermocycler you build yourself, capable of reliably controlling PCR reactions for DNA detection, sequencing, and other applications.
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OpenPCR_LP2Mehr Beispiele findet ihr in der zusammengestellten Liste unter
http://openitagency.eu/open-source-hardware-actors-list-berlin-europe/

Stellt sich schnell die Frage, warum machen all die Menschen das?
Lars‘ einfache Antwort:

Weil sie es können! Das Internet gibt uns vielfältige Möglichkeiten: Informationen teilen – für neue Formen von Zusammenarbeit.

Und welche Vorteile bringt uns das?
Zum Beispiel ist Open Innovation oft billiger und schneller. Patente und Anwälte werden eingespart und der ethische Bonus „Open Source“ bildet ein positives Image (Stichwort CSR/Nachhaltigkeit). Das lockt auch bessere Mitarbeiter an, denn Offenheit ist für fähige Menschen interessanter. So entstehen zweifelsfrei bessere Produkte, mit mehr Features, besserer Integration durch offene Schnittstellen und Standards.

Wie kann das zu Nachhaltigkeit führen?

  • 1. Reduce – Reuse – Repair – Recyle: Leichtere Reparierbarkeit und offene Baupläne machen das Reparieren leichter und können als Schutz gegen geplante Obsoleszenz wirken.
  • 2. Lokale Ressourcen nutzen: Resilienz. Offene Baupläne erlauben Produktion vor Ort. Weite Verkehrswege können entfallen. ReUse, was wiederum ein modulares Design verlangt.
  • 3. Bildung: Offene Produkte behandeln uns als intelligente und kreative Menschen. Sie geben uns neue/ mehr Wege, uns mit unserer Umwelt in Verbindung zu setzen. Beides sind Voraussetzungen für Nachhaltigkeit.
  • 4. Innovation: Open Innovation ist oft schneller, billiger und von nachhaltigerer Qualität. Es ist für eine Erfindung und Verbreitung nachhaltigerer Lösungen eine interessante Perspektive.

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5. Stoffkreisläufe schließen: Regeneratives Design (aka Cradle to Cradle Design) braucht Open Source -> siehe OWi Projekt. Kein Müll entsteht und die Produkte sind von vornherein für das Recycling gestaltet. Cradle to Cradle hat über 1000 Produkte so realisiert (z.B. einen Teppich der die Luft filtert). Das Problem dabei ist allerdings oft, dass die Produkte und Techniken CLOSED SOURCE sind. Wie soll also die Organisation des Recyclings möglich sein? Ohne Open Source ist die Organisation gar nicht möglich (wie auch die Erfindung und Verbreitung).

Und wie mache ich das?
Lars arbeitet an einem Open Source Manual. Das erklärt, wie man offene Baupläne sammelt oder erstellt, wie man sie veröffentlicht (Datenformate und Lizenzen), wie man Bauteile auswählt und offene Ressourcen für regeneratives Designen sammelt/erstellt, wie man sich organisieren kann (und keine Experimente scheuen muss) und warum Grafik Design eine wesentliche Rolle spielen sollte. Denn die Informationen sollten verständlich aufbereitet werden. Und dann: mach es bekannt – spread the world!

Experimentiert mit Open Source für eine nachhaltige Wirtschaft und lasst uns davon wissen!

Wer gleich loslegen möchte, kann die deutsche Version hier direkt herunter laden:
OWi Open Source It Manual (Open Source es Anleitung) Vs 1.2

Und wie lässt sich damit Geld verdienen?
Diese Frage konnten wir im Rahmen der umfassenden Einführung nicht mehr klären. Das wäre einen weiterer Stammtisch wert. Bei weiteren Fragen steht uns Lars Zimmermann jeder Zeit gern zur Verfügung!

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Weiterführende Links und Bücher:

Open Materials OpenMaterials is a research group dedicated to open investigation and experimentation with DIY production methods and uses of materials.

Artikel in der Zeit: „Jeder darf mal – Blaupausen und Patente für alle – das Prinzip hat die Software-Branche verwandelt. Jetzt bringen Aktivisten die Idee in die Industrie.“ Artikel

Open Design Now
Why design cannot remain exclusive
190_bookpage_open-design-now
ISBN
: 978-90-6369-259-9
Design: Hendrik-Jan Grievink
Format: paperback with flaps
Dimensions: 24 x 17,5 cm
Pages: 320
oder online http://opendesignnow.org/

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