Workshop „ECO STREET ART“ auf dem Seminar „Transition Erleben“

bg_grafik_800pxDer Workshop fand im Rahmen des Seminars „Transition Erleben“ vom 24. bis 27. April 2014 im Kultur- und Bildungszentrum Raoul Wallenberg (KuBiZ) in Berlin Weißensee statt. Das Seminar bot Menschen, die sich für einen Wandel hin zu einer Postwachstumsgesellschaft einsetzen und engagieren wollen, die Möglichkeit 4 Tage lang Transition live zu erleben. Unser Workshop „Eco-Street-Art“ war einer von fünf Workshops aus den Bereichen Theater, Tanz, Film, interaktive Methoden und Bildende Kunst, die sich über drei Nachmittage praktisch ergänzend an die theoretischen Vorträge am Vormittag andockte.

Wir haben uns zunächst wieder mit Gummihandschuhen, Mülltüten und Fotokamera ausgerüstet und den Müll im nahen Umfeld gesucht. Dabei fiel uns auf, dass die Wohngegend geradezu vorbildlich gepflegt wurde, jedoch um so mehr wir uns der grünen Oase des Viertels annäherten, desto mehr Müll haben wir vorgefunden. Wir trugen Skurilitäten wie einen Kleintierkäfig, einen Kühlschrank, eine Matratze, Unterhosen, eine Radkappe, komplette Hausmüll-Tüten, Überbleibsel einer Menge Genussmittel und haufenweise Papier und Plastik zurück zu unserem Sammelpunkt.
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Um anderen Menschen sichtbar zu machen was achtlos weggeworfen wird, sortierten wir unsere Fundstücke und bauten daraus ein konsumkritisches Kunstobjekt. Der Workshop sollte zum einen Spaß am Entdecken bringen, zum anderen soll er sensibilisieren und Diskussionen anregen. Außerdem können die TeilnehmerInnen den Workshop im Anschluss als Multiplikatoren selbst initiieren.
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  • Darf/soll unser Werk die Problematik ästhetisieren?
  • Warum werfen Menschen Müll achtlos auf der Straße weg und noch achtloser im Grünen?
  • Warum pflegt der Mensch die Umgebung in der er wohnt offenbar mehr als die Umgebung die allen Menschen zugänglich ist?
  • Warum sind die meisten Fundstücke pfandfrei?
  • Wievielt Müll vom Gesamtmüllaufkommen landet eigentlich in der Tonne? Und wievielt auf der Straße? Sollten wir vergleichen?
  • Wie können wir Konsumkritik äußern?
  • Wie sensibilisieren wir die Menschen ohne erhobenem Zeigefinger? Mit Humor und Übertreibung?
  • Was soll unser Werk letztlich kommunizieren? Was können wir darin darstellen? Sollten wir …

-> die Nutzdauer der Fundstücke / die Sammeldauer / die Dauer der Verrottung im Verhältnis zueinander zeigen?
-> die Mühe des Aufsammelns oder die Energie die wir dafür aufbringen müssen symbolisieren?
-> zeigen wieviele Menschen in nur einer Stunde, wieviel Müll und wo gesammelt haben?
-> den unbedachten Konsum betonen, also auch darauf eingehen was überhaupt konsumiert wird?
-> den Prozess des Wegwerfens dramatisieren? Wegwerfcharakter?
-> den Natur-Konsum vs. Produktkonsum stellen? (direkt am Ufer-Absperrgitter des Schwanen-Nestes, da wo die Menschen stehen und gaffen, fanden wir die meisten Zigarettenstummel)
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Klar war uns, wir wollen die Menschen dafür sensibilisieren weniger achtlos mit unserer Umwelt umzugehen. Neben Ideen aus den Materialien mehrere Grafiken zu gestalten, eine Kartografie der Fundorte nachzubauen, eine Upcycling-Skulptur zu schaffen, den Müll zurück in das Supermarktregal zu stellen, Schriftzüge zu bauen, eine Wäscheleine mit Müll zu spannen oder einen Parcours aufzubauen, mündeten alle Aspekte darin, den Müll als Vorhang zurück auf Augenhöhe zu bringen. Aus den Augen aus dem Sinn? Damit das ganze am wirkungsvollsten ist, inszenieren wir unser Schauspiel dort, wo es am schönsten ist – in der Natur am Weißen See in Berlin.
Damit unsere Zuschauer im Zweifel eines Missverständnisses doch noch etwas lernen, sind die Materialien im Vorhang nach der Dauer angeordnet, die sie benötigen um sich in der Natur von selbst zu zersetzen. So braucht beispielsweise ein Papiertaschentuch nur 2 – 4 Wochen, eine Zigarette 50 Jahre, eine Aluminiumblechdose 200 Jahre und eine Glasflasche unbestimmt lange um zu verrotten.

APPLAUS APPLAUS! Die Vorstellung beginnt! Oder nicht? Was verdeckt die Sicht in das Naturschauspiel? Was stört uns beim gewohnt einfachen Konsum der Natur? Es sind die Relikte unseres Produktkonsums. ZUGABE! ZUGABE! Ob der Vorhang noch fällt?
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Kontakt für Rückfragen zum Workshop:
SDC-Mitglied und Diplom-Designerin Carolin Oelsner
CO / Konzeption & Design

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