Geflechte als Altreifenverwertung

Im Dezember habe ich mich mit Herrn Köhler in Spandau getroffen und mir seine Altreifenverwertungsidee angeschaut.

Die Idee beruht auf der strukturellen Weiter(Zweit-)nutzung der Reifen. Zunächst wird der Reifen in die Lauffläche sowie die rechte und linke Seitenwand zerlegt. Man erhält dadurch 3 geschlossene Ringe und der Laufflächenring lässt sich zum weiteren Transport flach drücken, da die stabilisierenden Seitenwände plus Wulst fehlen. Das Zerlegen/Zerschneiden erfolgt mit einer einfachen Maschine auf rein mechanische Art und erfordert wohl wirklich nur ca. 40W pro Reifen. Die so erzeugten Ringe werden dann mittels verschiedener Flechttechniken ohne die Verwendung weiterer Materialien zu beliebig großen Matten oder auch dreidimensionalen Gebilden miteinander verflochten.

Musteransicht_Geflecht

Diese Verflechtung von in diesem Fall Gummiringen ist die eigentliche Idee, die Herr Köhler ausbauen und vermarkten will. Einzelne Anwendungen gibt es schon als Pilotprojekte sowohl für die permanente Verwendung (z.B. Deichbau, Lawinenverbauung) als auch für die temporäre Verwendung (z.B. Schutzbelag für Baustraßen oder bei Brückensprengungen, Schutzwälle bei Sprengungen). In einem weiteren Schritt soll von den Laufflächenringen noch das Gummiprofil maschinell abgeschält werden und direkt in die Gummiproduktion zurückfließen, da für die Flechtwerke nur die physikalischen Eigenschaften der Karkasse relevant sind. Es können für dieses Verfahren auch Reifen verwendet werden die bereits auf Deponien lagern oder noch irgendwo in der Landschaft rumliegen.

Es handelt sich aus meiner Sicht um eine Idee, die Nachhaltigkeit vorantreibt auch wenn ich Herrn Köhler nicht zustimme das es sich um einen geschlossen Kreislauf oder Cradle to Cradle handelt, denn Reifen die nach mehrfacher Nutzung zu sehr beschädigt sind um wieder verflochten zu werden, landen dann doch wieder in der Verbrennung oder einem anderen Verfahren. Er will aber ein einfaches Sammelverfahren für Altreifen etablieren, bei dem mittelfristig der Abgebende einen Obolus für den Reifen erhält, was der Vermüllung der Landschaft mit Altreifen entgegen wirken würde.

Herr Köhler ist sehr euphorisch bei der Sache und sieht sich als eine Art Visionär, denn er sieht die Reifen nur als einen Startpunkt, er will das Verflechten von Ringen aus verschiedensten Materialien als eine neue Technologie etablieren. Mir als analytischem Naturwissenschaftler war das teilweise zu visionär und unausgegoren, aber zumindest bei den Reifen und vielleicht auch bei einigen anderen Materialien sehe ich den Sinn schon. Deswegen denke ich, dass es Sinn macht diese Idee zu verbreiten denn der eine oder andere Designer kommt bestimmt noch auf andere Ideen was man mit Reifengeflechten oder auch anderen Geflechten sinnvolles machen kann.